Nahrungsergänzungsmittel – wenn Nährstoffe fehlen

Viele Nährstoffe lassen sich im Rahmen einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise aufnehmen. Ein gesunder Mensch mit einem „normalen“ Essverhalten sollte daher in der Regel nicht unter Mangelerscheinungen leiden. Allerdings sind bestimmte Risikogruppen bekannt, bei denen gewisse Nährstoffe nicht ausreichend im Körper vorhanden sind. Nach einem medizinischen Check kann man in diesen Fällen auf ein Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen.

Was versteht man unter Nahrungsergänzungsmittel?

Bei einem Nahrungsergänzungsmittel oder kurz NEM handelt es sich um ein Produkt, welches die tägliche Nahrungsaufnahme ergänzt, und zwar um bestimmte Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralien. Es handelt sich hierbei um Inhaltsstoffe, die in der Regel auch in natürlichen Lebensmitteln zu finden sind. Dies gilt sowohl für pflanzliche als auch für tierische Stoffe. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Dies gilt vor allem dann, wenn Mangelerscheinungen auftreten oder man einer bestimmten Risikogruppe angehört.

Mangelerscheinungen

Die Notwendigkeit, ein NEM einzunehmen, richtet sich nach einem vorhandenen Mangel. Dieser ist abhängig von der Art des Mangels. Ein Vitaminmangel lässt sich beispielsweise an Schuppen erkennen sowie auch an mattem und glanzlosem Haar. Auch eingerissene Mundwinkel, graue Haare sowie trockene und schlaffe Haut können ein Zeichen für eine Vitaminmangel sein. Weitere Anzeichen sind Müdigkeit, schnelle Blutergüsse sowie Muskelschmerzen. Aber auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Zahnfleischbluten können erste Anzeichen einer Unterversorgung sein.

Welche Nahrungsergänzungsmittel gibt es?

Typische Nahrungsergänzungsmittel sind Vitamine und Provitamine. Hierzu gehören vor allem Vitamin C oder D, Vitamin E, Folsäure oder Betacarotin. Weiter können auch Mineralstoffe und Spurenelemente als NEM eingenommen werden. Hierzu zählen üblicherweise Calcium, Magnesium, Eisen und Zink. Darüber hinaus findet man Substanzen, die Vitaminen ähneln. Hierzu gehört beispielsweise das Coenzym Q10. Andere Nahrungsergänzungsmittel enthalten auch Fettsäuren wie die Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren, Eiweißbestandteile wie L-Carnithin oder L-Cystein, Kohlenhydrate oder Ballaststoffe wie Oligofructose sowie weitere Inhaltsstoffe wie Algen, probiotische Kulturen oder auch Bierhefe.

Die häufigsten NEM im Überblick

Vitamin C

Das Vitamin C übernimmt wichtige Stoffwechselaufgaben. Weiter unterstützt es unser Immunsystem und bietet einen Schutz vor oxidativem Stress.  Daneben ist Vitamin C an der Kollagenbildung beteiligt sowie dem Aufbau von Knochen und dem Knochengewebe. Allerdings leidet etwa jeder Dritte an einer Unterversorgung. Die tägliche Zufuhr sollte bei Männern 110 mg pro Tag betragen und bei Frauen 95 mg. Kinder benötigen etwa 20 mg pro Tag. Bei der Nahrungsaufnahme sollte man vor allem auf Obst und Gemüse setzen. Besonders reich an Vitamin C sind Sanddornbeeren, schwarze Johannisbeeren, Paprika, Petersilie, Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Kohl, Spinat und Tomaten. Bei der Zubereitung können allerdings wichtige Vitamine verloren gehen, da Vitamin C sowohl wasserlöslich als auch temperaturempfindlich ist. Daneben haben vor allem Sportler, Schwangere sowie Menschen mit täglicher Medikamenteneinnahme oder chronischen Erkrankungen häufig eine Mangelerscheinung. In diesen Fällen ist es durchaus sinnvoll, Vitamin C in Form eines NEM einzunehmen.

Vitamin D

Normalerweise stellt der Körper Vitamin D selbst her. Hierzu nutzt er die Energie des Sonnenlichts. Über die Nahrung wird Vitamin D eher in geringen Dosen aufgenommen. Üblicherweise findet man es in tierischen Lebensmitteln wie der Leber, fettem Fisch oder auch Eigelb. Vitamin D hat die Funktion, die Stabiltät von Knochen und Zähnen zu erhalten. In diesem Zusammenhang dient es auch der Prävention von Osteoporose. Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten und die Sonne genießen, verfügen in der Regel über einen ausreichenden Haushalt an Vitamin D, der sie auch über den Winter bringt. Wer sich allerdings überwiegend aus der Sonne raushält oder stets einen UV-Schutz verwendet, der dürfte an einer Unterversorgung leiden. Auch ältere Menschen über 70 sowie Säuglinge leiden häufig an einem niedrigen Vitamin-D-Gehalt im Blut. Den Gehalt im Blut sollte man ärztlich prüfen lassen. Eine Einnahme auf Verdacht könnte zu einem erhöhten Vitamin D-Spiegel führen, welcher wiederum eine Nierenverkalkung oder auch Nierensteine auslösen kann.

Kalzium

Der menschliche Körper benötigt Kalzium, um die Knochen und Zähne aufzubauen. Darüber hinaus untestützt es aber auch die Funktionen von Nerven und Muskeln und unterstützt die Blutgerinnung. Vor allem Milchprodukte und Soja sind reich an Kalzium. Die tägliche Kalziumzufuhr sollte eine Menge von 1.000 mg nicht übersteigen. Anderenfalls dorhen Nierensteine und Gefäßverkalkungen. Aus diesem Grund sollte auch hier vor der Einnahme eines NEM der Kalziumgehalt ärztlich abgeklärt werden. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Kalziummangel zu leiden, ist im übrigen für Veganer und Menschen mit einer Laktoseintoleranz erhöht. Gleiches gilt für Frauen in den Wechseljahren sowie Menschen jenseits der 65.

Magnesium

Magnesium gehört zu den am häufigsten konsumierten NEM. Im Körper ist es zuständig für den Energiestoffwechsel und die Regulierung von Nerven- und Muskelfunktionen. Ein Magneseiummangel kann sich schnell in Muskelkrämpfen äußern sowie einer verstärkten Müdigkeit. Magnesium steckt vor allem in Gemüse und Vollkornprodukten. Allerdings sind auch hier ältere Menschen schneller von einem Mangel betroffen. Auch, wenn der Körper viel Flüssigkeit verliert, steigt der Magnesiumbedarf. Zudem sinken die Werte bei einer Alkoholabhängigkeit und bei Magen-DArm-Erkrankungen. In diesen Fällen sollte man zusätzliches Magnesium einnehmen. Allerdings kann auch hier eine Überdosierung Folgen haben. Diese äußern sich schnell in Durchfall oder einem Abfall des Blutdrucks. Die tägliche Dosis an Magnesium sollte bei 250 mg pro Tag liegen.

Eisen

Eisen übernimmt im Körper wichtige Funktionen im Bereich des Sauerstofftransportes, der Speicherung von Sauerstof oder der Übertragung von Elektronen. Auch diverse Enzyme enthalten Eisen als Bestandteil. Im Blut befinden sich etwa 60 % Eisen. Daneben speichern die Leber, Milz und das Knochenmark etwa 25 % Eisen. Weitere 15 % befinden sich in Muskelproteinen und Enzymen. Pro Kilogramm Körpergewicht finden sich zwischen 2 und 4 g Eisen.

Besteht ein Mangel, so ist dieser meist an brüchigen Nägeln und Haaren, trockener Haut und rissigen Mundwinklen zu erkennen. Zudem wird die Infektanfälligkeit erhöht. Besteht ein schwerer Eisenmangel, so kann sich dieser in einer Blutarmut äußern. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, man ist müde und schwach und neigt dazu, schnell zu frieren.

Die tägliche Eisenzufuhr sollte bei Frauen und jungen Menschen etwa 15 mg betragen. Frauen, die die Menopause schon hinter sich haben, benötigen nur noch 10 mg täglich. Gleiches gilt für Männer ab 19 Jahren. Jungen ab 12 Jahren benötigen hingegen täglich 12 mg Eisen. Ein Eisenmangel stellt sich vor allem dann schnell ein, wenn es zu Blutverlusten kommt. Dies kann schon durch die weibliche Menstruation entstehen. Auch durch das Wachstum und eine Schwangerschaft steigt der Eisenverbrauch.

Darüber hinaus begünstigt auch eine vegetarische Lebensweise einen Eisenmangel. Über Lebensmittel wird Eisen vor allem durch tierische Produkte aufgenommen.  Allerdings könenn vor allem Getreideprodukte die Aufnahmefähigkeit des Körpers für Eisen hemmen. Hier kann es helfen, die Lebensmittel zuvor einzuweichen. Zudem kann man eine Kombination mit zitronen- oder milchsäurehaltigen Lebensmitteln einführen.

Um den Mangel auszugleichen, kann man Eisen als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Allerdings sollte man auf Gegenanzeigen achten. Eine zu hohe Eisenaufnahme äußert sich in der Regel in einem dunklen Stuhl, Übelkeit, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung.  Zudem besteht der Verdacht, dass zu hohen Eisenmengen ein Risiko darstellen für Herz- und Krebserkrankungen sowie Diabetes. Täglich sollten nicht mehr als 6 mg Eisen zusätzlich eingenommen werden.

Omega-3-Fettsäuren

Diese Fettsäuren sind gut für das Herz und beugen Schlaganfällen oder Herzinfarkten vor. Zudem sollen sie für eine bessere Konzentrationsfähigkeit  sorgen und vor Demenz und Krebs schützen. Bewiesen ist allerdings nur, dass Omega-3-Fettsäuren den Blutdruck regulieren, die Gehirnfunktionen normalisieren und sowohl die Sehkraft als auch die Herzfunktion unterstützen. Auch können die Fettsäuren zu einer gesunden Entwicklung beitragen.

Eine staatliche Prüfung der NEM findet nicht statt. Auch hier gilt es, keine zu hohen Dosen einzunehmen, da  Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte und ein gesteigertes Blutungsrisiko bestehen. Omega-3-Fettsäuren findet man natürlicherweise vor allem in fettigen Fischen, in Walnüssen, grünem Blattgemüse oder in pflanzlichen Ölen. Die tägliche Dosis sollte bei 1,3 g liegen. Werden diese Werte nicht über die tägliche Nahrungsaufnahme realisiert, so kann ein NEM eingenommen werden.

Zink

Zink soll vor allem einen positiven Einfluss auf das Immunsystem ausüben. Es hilft dem Körper, sich vor Erkältungen oder anderen Erkrankungen zu schützen. Es gibt viele Lebensmittel, die Zink enthalten.  Vor allem tierische Produkte wie Fisch, Fleisch, Käse und Eier sind satt an Zink. Ein Mangel tritt daher seltener auf. Dies liegt auch an dem niedrigen Zinkbedarf. Frauen benötigen täglich 7 mg, Männer 10 mg und Schwangere 11 mg Zink.

Eine zusätzliche Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel sollte nur bei einem bestätigten Mangel erfolgen, da eine Überdosierung zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Hierzu gehören Vergiftungserscheinungen und eine Veränderung der roten und weißen Blutkörperchen. Ein Zinkmangel kann aber unter bestimmten Voraussetzungen entstehen. So kann eine vegane oder vegetarische Ernährung zum Risiko werden. Gleiches gilt für ein erhöhtes Stresslevel oder chronische Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich.

Folsäure

Die Folsäure  ist an Zellteilungsprozessen beteiligt und unterstütz das generelle Wachstum. Vor allem in den ersten Wochen einer Schwangerschaft wird die zusätzliche Einnahme von Folsäure empfohlen. Ein Folsäuremangel ist in Deutschland recht weit verbreitet. Über die Nahrung kann man Folat vor allem mit dem Verzehr von Gemüse und Vollkornprodukten aufnehmen. Folsäure unterstützt zudem das Herz-Kreislaufsystem, die Blutbildung und den Homocysteinstoffwechsel. Die tägliche Einnahmedosis als NEM sollte einen Wert von 1 mg nicht übersteigen. Bei einer Überdosierung besteht die Gefahr, dass ein Vitamin-B-Mangel nicht erkannt wird, was wiederum zu Nervenschädigungen führen kann.

Nahrungsergänzungsmittel – Anwendungsbereiche

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass der Körper bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung mit allen nötigen Nährstoffen versorgt wird. In diesem Fall wäre die Einnahme zusätzlicher Produkte überflüssig. Sinnvoll hingegen ist eine temporäre Einnahme, um beispielsweise einen akuten Mangelzustand auszugleichen. Dieser kann durch eine falsche Ernährungsweise oder auch eine zugrunde liegende Erkrankung hervorgerufen werden. Bei ersten Symptomen, die auf eine Mangelerscheinung hindeuten, sollte man am besten ein Blutbild machen lassen, um den Mangel abzuklären. Danach kann man gezielt zu dem fehlenden Nährstoff als NEM greifen, um die Depos wieder aufzufüllen. Unabhängig davon sollte man sich regelmäßig untersuchen lassen, wenn man unter eine der Risikogruppen fällt.

Anwendung und Dosierung

Die konkrete Dosis des jeweiligen Präparates findet man in den Hinweisen des Herstellers. Man sollte bei der Einnahme eines NEM vor allem auf die richtige Dosierung achten, da eine Überdosierung häufig mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden ist. Darüber hinaus kann der menschliche Körper auch nur eine gewisse Menge an Nährstoffen aufnehmen und verarbeiten. Eine zu hohe Dosis würde einfach über den Stuhl oder Urin wieder ausgeschieden werden und keine Verbesserungen mit sich bringen.

Darreichungsform

Nahrungsergänzungsmittel können in unterschiedlicher Darreichungsform eingenommen werden. So gibt es sie als Tablettem, als Kapseln, als Pulver oder auch in flüssiger Form. Hier kann man selbst entscheiden, mit welcher Variante man besser zurecht kommt. Pulver sind häufig mit einem Geschmack versehen, der das Produkt genießbarer macht, Tabletten oder Kapseln kann man auch unterwegs leicht einnehmen.

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht verschreibungspflichtig. Das bedeutet, dass man sie frei verkäuflich in der Dorgerie oder auch im Supermarkt erhält. Auch Apotheken verkaufen NEM ohne Rezept. Zum Teil kann man ein Nahrungsergänzungsmittel auch als Alternative zu einem medizinischen Produkt erwerben. Die Wirkung des NEM darf aber nicht der eines Arzneimittels entsprechen. Nahrungsergänzungsmittel müssen also solche zu erkennen sein. Der Hersteller muss Menge und Dosis der enthaltenen Stoffe aufführen. Gleiches gilt für die vorgebene Höchstverzehrmenge und einen Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel keine ausgewogene Ernährung ersetzen. Zudem muss die Verpackung eine Warnung enthalten, dass das Produkt für Kinder unzugänglich aufzubewahren ist.

Qualitätsbestimmungen

Auch Nahrungsergänzungsmittel unterliegen bestimmten Vorgaben und Qualitätsstandards. Die Verantwortung für die Unbedenklichkeit des Produktes liegt beim Hersteller oder auch dem Verkäufer. Wer ein Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, der muss dieses beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz BVL, melden. Hier findet eine Registrierung der verwendeten Inhaltsstoffe statt.  Eine weitergehende Kontrolle der einzelnen Präparate kann stichprobenartig erfolgen.

Im Vergleich zu Medikamenten sind  Untersuchungen und Tests nicht vorgeschrieben. Dadurch schwingt ein gewisses Risiko beim Erwerb eines NEM mit, da die tatsächlichen Inhaltsstoffe, ihre Menge und deren Wirkung nicht klar überprüft worden sind. Besonders Bestellungen im Internet oder aus dem Ausland sind mit Vorsicht zu betrachten. Hier werden oft nicht die selben Standards an den Tag gelegt, die man in Deutschland vorfindet. Dosierungen können möglicherweise viel höher ausfallen als bei deutscher Ware, wodurch sie nach deutschem Recht schon unter das Arzneimittelgesetz fallen würden.

Gleichzeitig darf das Produkt nicht versprechen, Krankheiten zu beseitigen, zu lindern oder vorbeugend zu wirken. Auch die Einschränkung oder Empfehlung für bestimmte Anwendungsgebiete ist nicht erlaubt.  Die tatsächlichen Beschreibungen der Wirkung werden dann eher schwammig und allgemein gehalten.

Risiken

Die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittel ist nicht unbedingt unbedenklich. So haben Forschungen gezeigt, dass bestimmte Präparate, die beispielsweise die Vitamine A und E enthalten oder auch Betacarotin in Risiko für die Entstehung bestimmter Erkrankungen darstellen. Zudem können allergische Reaktionen auftreten. Dies gilt vor allem für die enthaltenen pflanzlichen Zusatzstoffe. Karotine dürfen daher beispielsweise nicht in einer hohen Dosierung enthalten sein. Weiter kann es passieren, dass bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente eine Wechselwirkung auftritt. Zudem sollte man sich immer an die täglichen Höchstmengen halten, da eine Überdosierung bestimmter Nährstoffe schädliche Folgen haben kann und dem Körper mehr schadet als nützt.